Alexander Jäger – Öko-Pionier in Traunstein

Unternehmer-Kulturportrait von Helene Walterskirchen:
Alexander Jäger – Öko-Pionier in Traunstein

(von links) Alexander Jäger, Sohn Michael, der vor zwei Jahren in die Firma miteingestiegen ist und Maria-Elisabeth Jäger in der Näherei ihres Naturhauses

Das Leben schreibt seine eigenen Geschichten, die sich oft von dem unterscheiden, was sich der Mensch für sein Leben vorstellt. Es entsteht so eine ganz individuelle Lebenskultur, die den Menschen in seinem Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln leitet.

Alexander Jäger stammt aus einem kleinbürgerlichen Elternhaus in der Nähe des Chiemsees, in dem es üblich war, die Dinge möglichst günstig und billig zu erwerben. Auf die Qualität der Produkte legten seine Eltern keinen Wert. Die Bio- und Öko-Bewegung befand sich in der Kindheit von Alexander Jägern noch in den Kinderschuhen und existierte in den Köpfen seiner Eltern nicht.

Von Kindesbeinen an war Alexander Jäger an Holz und Holzverarbeitung interessiert mit der Folge, dass er Schreiner lernte. Nach absolvierter Ausbildung arbeitete er 10 Jahre lang in einer Schreinerei im heimatlichen Chiemgau. Er glaubte, den Traumberuf zu haben, den er bis zum Rentenalter ausüben würde. Sein übergeordneter Lebensplan jedoch hatte etwas anderes mit ihm vor. Das Schicksal traf ihn in Form einer schweren Krankheit. Die Ärzte attestierten ihm eine Lösungsmittel- und Formaldehyd-Unverträglichkeit. Damit war sein Berufstraum vom Schreiner beendet. Alexander Jäger: „Damals dachte ich: wie kann es möglich sein, dass ein so schöner Beruf mit derartigen giftigen Materialien zusammenhängt?“ Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, nahm er bald darauf eine Hausmeisterstelle an. Die Tätigkeit entsprach jedoch nicht seinen Vorstellungen und er begann, sich nach etwas anderem umzuschauen.

Seine damaligen Interessen lagen im Bereich der Baubiologie und so entschloss er sich, ein Fernstudium zum „Baubiologen“ zu durchlaufen und anschließend daran eine Ausbildung zum „Baubiologischen Messtechniker“ zu machen. Zum Thema „Baubiologie“ und „Baubiologe“ gibt es in Wikipedia folgende Beschreibung:

„Baubiologie ist ein Sammelbegriff für die umfassende Lehre der Beziehung zwischen dem Menschen und seiner gebauten Umwelt, aber auch die umweltfreundliche und schadstoffminimierte Ausführung der Bauwerke durch den Einsatz geeigneter Erkenntnisse und Techniken […].

„Baubiologen beschäftigen sich mit dem Wohn- und Arbeitsumfeld der Menschen. Ihr Tätigkeitsfeld erstreckt sich von der Beratung zu gesundem Schlafen und Wohnen, dem Bau und der Sanierung von Gebäuden und Wohnungen, über die gezielte Analyse belastender Raumfaktoren, bis hin zur Verbreitung baubiologischen Wissens durch Vorträge, Seminare, Fachliteratur und Kongresse.

Baubiologische Messtechniker führen Untersuchungen zu nachweislich schädlichen Faktoren wie Schadstoffen und Schimmelpilzen, oft auch zu physikalischen Größen wie elektrische und magnetische Wechselfelder und elektromagnetischen Wellen im Rahmen der elektromagnetischen Umweltverträglichkeit oder Lärm durch. Innenraumfaktoren können die Menschen je nach persönlicher Konstitution und Vorbelastungen gesundheitlich unterschiedlich belasten.
Ein weiteres Ziel der Baubiologie ist auch die Schonung der natürlichen Ressourcen und die Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur.“

In seiner Tätigkeit als Baubiologischer Messtechniker kam Alexander Jäger in viele Häuser, in denen die Bewohner gesundheitliche Probleme hatten. Es war seine Aufgabe, die Ursache der Probleme zu ermitteln. Häufig waren Federkernmatratzen die Ursache. In solchen Fällen gab Alexander Jäger seinen Kunden den Rat, doch lieber auf Naturlatex-Matratzen umzustellen. Immer wieder kam es dabei vor, dass die Kunden ihn fragten: „Und wo bekomme ich Naturlatex-Matratzen?“

Dies brachte ihn und seine Frau Maria-Elisabeth auf die Idee, einen Laden zu eröffnen und darin gesunde Betten, vom Naturholz-Gestell bis hin zu Naturlatex-Matratzen, Betten und Bezügen anzubieten, um so die Bedürfnisse seiner Kunden zu befriedigen. 1995 eröffneten die beiden in Traunstein einen winzigen Laden mit dem Namen „Frau Wolle’s NATURHAUS“, Öffnungszeiten: zwei halbe Tage in der Woche.

„Als wir vor 22 Jahren unseren Laden eröffneten, hat ganz Traunstein über uns gelacht. Man hat uns den Stempel ‚Öko-Spinner‘ aufgedrückt. Im Kreis der Traunsteiner Geschäftsleute hat man Wetten abgeschlossen, wie lange es uns geben wird. Das hat uns bestärkt, weiter zu machen und nicht aufzugeben nach dem Motto ‚Jetzt erst recht‘,“ so Alexander Jäger.

„Unser kleiner Laden lief ganz ordentlich und wir haben sukzessive erweitert, von zwei Tagen Öffnungszeit auf drei Tage usw. Wenn wir wieder etwas angespart hatten, haben wir es in den Laden investiert. Wir wurden immer größer und sind viermal umgezogen. Seit fünf Jahren sind wir hier in der Wasserburger Straße in Traunstein. Am Anfang haben wir noch selbst genäht, dann kam eine Näherin nach der anderen; heute sind vier Näherinnen in unserer Manufaktur beschäftigt.“

In der Homepage heißt es dazu: „In unserer kleinen Manufaktur, in Traunstein im Chiemgau, stellen wir in liebevoller Handarbeit edle Bettwaren aus ökologisch hochwertigen und biozertifizierten Materialien her. Von der kuscheligen Bettdecke, ausgleichender Matratzenauflage bis hin zum biologisch aktiven Kopfkissen ist alles garantiert handgenäht. Unsere Besonderheit sind die vielen, von Hand genähten Kreuzstiche, mit denen die Wollvliese fixiert werden. Dadurch entstehen traumhaft kuschelige, wunderbar warme und zugleich luftig leichte Bettwaren – und Made in Deutschland.“

Mit der Entwicklung wurde auch parallel dazu das Sortiment erweitert. Alexander Jäger: „Oft sagten Kunden, die bei uns bestellten oder einkauften: ‚Habt ihr nicht auch Schlafsäcke für Kinder?‘ Oder: ‚Habt ihr nicht auch Handtücher?‘ Oder ‚Habt ihr nicht auch Kinderkleidung?‘ usw. Dann haben wir diese Artikel mit in unser Sortiment aufgenommen. Irgendwann sind auch Schlafzimmermöbel und Wohnzimmermöbel dazugekommen. Heute gibt es bei uns fast alles: von Naturkosmetik bis Teppiche, von Lampen bis Vorhangstoffe usw. Alles natürlich n u r Bio bzw. Öko.“
Nach einigen Jahren hat sich die skeptische Gesinnung der Traunsteiner Geschäftsleute und Bevölkerung Stück für Stück gewandelt. „Sie haben unsere gesunde und kontinuierliche Entwicklung miterlebt und das hat ihnen schon irgendwie imponiert nach dem Motto: Wenn es uns heute noch gibt und wir so gewachsen sind, dann können wir gar nicht so schlecht sein!,“so Alexander Jäger schmunzelnd.

Man merkt, auch wenn er ein bescheidener Mensch ist: er ist stolz, auf das, was er und seine Frau geschafft haben. Sie haben einen zufriedenen Kundenkreis und die meisten Kaufinteressenten, die den Weg in Frau Wolle‘s NATURHAUS finden, kommen auf Empfehlung von Bekannten und Freunden, die bereits Kunden im NATURHAUS sind. Und da sind noch die Kunden, die „nur“ ins NATURHAUS kommen, weil sie sich dort wohlfühlen, weil sie die heimelige Atmosphäre lieben oder einfach, weil es dort so gut riecht. All das macht Alexander Jäger zu einem zufriedenen Menschen. Eine schöne Lebensgeschichte, die das Leben für den Traunsteiner geschrieben hat, der, hätte er sie geschrieben, heute vermutlich noch Schreiner wäre.

Frau Wolle’s NATURHAUS
Wasserburger Straße 29
D-83278 Traunstein
Telefon: +49- 861 165476
Email: info@)naturhaus-traunstein.de
www.naturhaus-traunstein.de

Alexander und Maria-Elisabeth Jäger in den Verkaufsräumen ihres NATURHAUSES