Die Kultur der Kunstförderung: Kulturförderpreis Landsberg 2017

von Helene Walterskirchen
Die Kultur der Kunstförderung: Kulturförderpreis Landsberg 2017

15.12.2017 Stadttheater Landsberg am Lech: Die 4 Gewinner (links) mit ihren Laudatoren, Moderator Axel Flörke und den Vertretern von Landkreis und Sparkasse Landsberg-Dießen
Es ist seit Jahrhunderten ein ständiges Rollieren: junge Künstler folgen alten Künstlern nach, die einen stehen am Anfang ihrer Karriere und die anderen am Ende. Die einen kommen, die anderen gehen. Dass es dabei nicht zu einem gravierenden Defizit oder Überschuss an Künstlern kommt, scheint von Mutter Natur gut eingerichtet.

Immer wieder werden Kinder mit besonderen Talenten geboren, die denselben Weg durchlaufen, den auch die älteren Künstler durchlaufen haben, nämlich die Förderung und Entwicklung ihrer Talente. Ohne diese Förderung würden die Talente matt und ungeschliffen bleiben wie Rohdiamanten. Denn nur durch ständiges Üben und Verbessern von Kind an, kann aus einem talentierten Menschen ein Künstler werden, der am Kunst- und Kulturgeschehen einer Region, eines Landes oder Europas teilnimmt und sich darin mit seinen Ideen und seiner Kreativität entfaltet.

Die Schleifung eines Rohdiamanten ist nicht nur für den talentierten jungen Menschen ein enormer Kraft- und Zeitaufwand, sondern auch für die Eltern und Familien. Junge Künstler sind in der Regel erst einmal das, was man „brotlos“ nennt, ehe sie irgendwann, vielleicht, bekannt und berühmt werden. Eine Garantie dafür gibt es nicht.

Die Kunst, so sehr wir sie lieben und schätzen oder auch genießen, ist sehr oft schlecht bezahlt – nicht für jene, die Geld damit machen, wie z.B. Kunsthändler oder Künstleragenten, sondern für den Künstler selbst, der sich oft mit einer kleinen Gage zufriedengeben muss. Wie viele Künstler haben im Laufe ihres Lebens von der Hand in den Mund gelebt! Dabei waren sie durchaus gute und engagierte Künstler, jedoch ist den meisten eins gemeinsam: sie sind schlechte Geschäftsleute. Kreativität und Kunst verträgt sich nicht mit Geschäftssinn und Geldmachen. Und nicht jeder Künstler hat einen gewieften Agenten, der seinen Marktwert von Null in Millionenhöhe steigert. Man denke nur an die Beatles, die in ihren jungen Jahren in Hamburg für einen Hungerlohn Musik machten bis sie auf ihren Manager Brian Epstein stießen, der sie bekannt und sich selbst damit zu einem reichen Mann machte.

Einer der vier Kulturförderpreisträger 2017: Markus Philipper, 18 Jahre, aus Penzing, Klavier

Es ist immer wieder ein Wunder und ein Genuss, einen Künstler bei seiner Schöpfung bzw. Präsentation zu beobachten: Ein wahrer Künstler, egal ob Musiker, Poet, Schauspieler oder Tänzer, geht auf in seiner Kunst, er vergisst Zeit und Raum um sich, er ist wie in einer anderen Dimension. Oft nimmt er nichts mehr um sich wahr, außer die Kunst, die aus ihm fließen möchte, der er sich hingibt, zu deren Kanal er wird. Künstler haben in der Regel eine zarte, feinfühlige Seele, die sich zum Lichtvollen, aber auch zum Dunklen hin entwickeln kann. Junge Künstlerseelen brauchen eine gute Pflege und Behandlung, damit sie göttliche Kunst machen können und keine entartete, wie dies oft bei verletzten oder dunklen Seelen der Fall ist.

Hervorragende und erfolgreiche Künstler entwickeln jedoch auch leicht einen beträchtlichen Egoismus und Narzissmus, wenn ihnen zu sehr geschmeichelt wird, wenn sie zu Stars werden oder auch, wenn andere, die sich durch sie einen Vorteil versprechen, sie zu Stars machen. Künstler sind, sowohl im Positiven wie im Negativen, dazu prädestiniert unmäßig auszuschlagen wie ein Pendel, da ihnen oft die gesunde Bodenhaftung fehlt.

Wie gut würde es vielen Künstlern gehen, wenn sie frei von Erfolgs- und Gelddruck wären und sich nur ihrer Kunst widmen dürften. Dann wäre die Kunst, die sie schaffen würden, wahrhaftig und rein. Da dies jedoch leider nicht der Fall ist, neigen so manche Künstler dazu, eine Kunst zu machen, die bei den Menschen bzw. Kunstgenießern möglichst gut ankommt. Bei einer solch publikums- und gesellschaftsgefälligen Kunst wird jedoch die wahre Kunst, die aus dem Künstler fließen möchte, sehr oft verfälscht und die Seele des Künstlers leidet darunter.

Künstler, insbesondere junge, die noch nicht etabliert sind, brauchen unsere Förderung und unseren ganz besonderen Schutz. Wir sollten in ihnen das göttliche Potential sehen, das es zu fördern gilt, behutsam, achtsam, frei von Druck und Manipulation. Künstler wollen uns etwas geben, ja mehr noch, sie wollen uns beschenken: mit ihrer Kunst und Kreativität. Sie sind Wesen, die ihr Leben der Kunst widmen bzw. geweiht haben. Sie wollen unsere Seelen berühren, sie erhellen oder heilen oder etwas Freude und Liebe hineinbringen. Deshalb ist jede Form von Künstlerförderung eine wichtige Sache und ein Geschenk unsererseits an den (jungen) Künstler. Man nennt das auch ganz klassisch Mäzenatentum.

Einer der vier Kulturförderpreisträger 2017: Korbinian Fichtl, 20 Jahre aus Landsberg, Percussion

In Landsberg am Lech gibt es seit 1997 ein solches Mäzenatentum: den Kulturförderpreis des Landkreises Landsberg, der jeweils im Herbst jeden Jahres an junge Künstler verliehen wird. Die Preisgelder werden von der Sparkasse Landsberg-Dießen gestiftet. Die Preisverleihung findet stets im Stadttheater Landsberg statt und ist in einen Festakt und ein anschließendes Büffet eingebettet. Neben der Verleihung der Preise gibt es zu jedem Preisträger eine Laudatio, gesprochen von einer Person, die den jungen Künstler gut kennt, z.B. einem früheren Lehrer. Danach erfolgt eine kurze Darbietung oder Rede eines jeden Preisträgers. Die Festrede und Verleihung der Preise geschieht stets durch den amtierenden Landrat, jedoch war Thomas Eichinger im Dezember verhindert und wurde durch die stellvertretende Landrätin Ulla Kurz vertreten. Die Moderation durch den Festakt erfolgte durch den Landsberger Kulturreferenten Axel Flörke, der, wie die Jahre zuvor, durch seine sympathische und lebhafte Art dem Abend eine ganz besondere Note gab. Zum Erfolg des Abends trugen viele fleißige und engagierte Helfer bei, unter anderen die Kultur-Kreisrätin Annunciata Foresti.

Die Kulturförderpreise für 2017 gingen, neben den bereits Genannten, an den Fotografen Philipp Altheimer aus Landsberg, 26 Jahre, und die Regisseurin Manuela Bastian aus Windach, 30 Jahre.

Wir alle können Künstler fördern, denn Künstler wollen vor allen Dingen eins: ihre Kunst und ihre Kreativwerke präsentieren. Geben wir ihnen sowohl Raum als auch Gelegenheit dazu. Öffnen wir uns ihnen und lassen wir es zu, dass sie uns mit ihrer Kunst berühren, möglicherweise sogar verzaubern, in jedem Fall unseren Horizont ein Stück weiter öffnen. Solche Momente der Kunst bilden in jedem Fall einen Kontrast zu unserer Alltagswelt, heben uns heraus aus banalen und mechanischen Pflichtküren und entführen uns in andere Dimensionen. Ohne Kunst wäre das Leben monoton, mit Kunst jedoch ist es abwechlungsreich.

„Kulturbürgermeister“ Axel Flörke und Helene Walterskirchen nach dem Festakt im Foyer des Stadttheaters