Dr. Rüdiger Dahlke – Mediziner, Brückenbauer und Schamane

von Helene Walterskirchen:
Dr. Rüdiger Dahlke – Mediziner, Brückenbauer und Schamane

Dr. Rüdiger Dahlke mit der Autorin im Heilkunde-Zentrum Dahlke in Johanniskirchen

Wenn zwei, nicht mehr ganz junge Menschen aus derselben Generation, sich treffen und feststellen, dass sie nicht nur am selben Ort ihre Jugend verbracht haben, sondern auch noch auf dieselbe Schule gegangen sind, sich aber sonst nie im Leben begegnet sind, dreht sich erst einmal alles um diese gemeinsame Zeit. So war es bei Rüdiger Dahlke, Jahrgang 1951, und mir als ich ihn im Heilkunde-Zentrum Dahlke im niederbayerischen Johanniskirchen besuchte, um mit ihm ein Gespräch zu führen.

Eingebunden in den lichtdurchfluteten, mit viel Holz verkleideten Seminarraum, an den sich eine moderne, offene Küche anschließt, kam das Gespräch in Gange, das einen biographischen Charakter hatte. Wir sprachen über Freising, das Hofmiller-Gymnasium, das Hochhaus nahe der General-von-Stein-Kaserne, wo er mit seiner Familie gewohnt hatte – von dem ich nur einen Katzensprung entfernt war. Wir sprachen über Mitschüler, insbesondere einen, der ein begnadeter junger Klavierspieler war, von dem alle glaubten, er würde einmal eine Konzertkarriere machen und der doch etwas ganz anderes wurde, nämlich Arzt. Und da sind wir schon bei Rüdiger Dahlke, der ebenfalls Medizin studiert hat und Arzt wurde. Nur, dass er in seiner Jugend kein begnadeter Klavierspieler war, sondern ein begeisterter Skifahrer, der mehrere Jugendpreise gewonnen hat.

Rüdiger Dahlke: „Für meine Mitschüler war ich ein ‚Saupreiss‘, weil ich in Berlin-Ost geboren bin und dort mein frühe Kindheit verbracht habe, ehe wir nach Krefeld und dann weiter nach Bayern gezogen sind. Als ‚Saupreiss‘ ließen mich meine Mitschüler nicht mit ihnen Fußball spielen. Deshalb habe ich mich dem Skifahren zugewendet und wurde mit der Zeit so gut, dass ich mehrere Jugendrennen gewonnen habe. Das stand dann in der Zeitung und plötzlich hieß es nicht mehr: ‚Der Saupreiss darf nicht mitspielen‘, sondern stolz ‚der aus der Zeitung ist bei uns in der Klasse‘, und dann durfte ich natürlich auch Fußball mitspielen.“

Die Ski-Karriere von Rüdiger Dahlke wurde durch drei Brüche beendet. Nach dem ersten Ski-Unfall machte er noch weiter, nach dem zweiten bekam er Zweifel, ob er auf dem richtigen Weg ist, und beim dritten wurde ihm bewusst, dass eine Ski-Karriere ganz offensichtlich nicht für ihn vorgesehen war. Ski-Brüche hießen zu dieser Zeit: mehrere Wochen in Gips im Krankenhaus liegen. Rüdiger Dahlke: „Das war für mich als Jugendlichen sehr langweilig. Ich hatte jedoch einen anderen Jungen mit einem komplizierten Bruch im Zimmer, der bekam immer wieder Besuch von einem Lehrer für Autogenes Training. Dieser hatte den Auftrag, dem Jungen das Autogene Training beizubringen. Der Junge jedoch war nicht interessiert. Dagegen interessierte es mich sehr und so hat es mir der Lehrer beigebracht. Die Oberstufe des Autogenen Trainings beinhaltete auch das Erlernen der geführten Meditation und so kam ich schon sehr früh mit Meditation in Verbindung und pflegte sie fast täglich zu praktizieren.“

Tauchen wir etwas tiefer in jene Zeit der 60er und beginnenden 70er Jahre ein, denn nur so lässt sich verstehen, welcher Zeitgeist damals herrschte und all jene, die dafür offen waren, beeinflusste – auch Rüdiger Dahlke. Es war die Zeit der Beatles und Rolling Stones, die Zeit der Hippies, die Zeit der 68er-Bewegung, die Zeit der Pille und der sexuellen Freiheit. Viele junge Leute wollten raus aus dem spießbürgerlichen Milieu, in dem ihre Eltern lebten, raus aus einengenden Normen und Verhaltensweisen, raus aus den gesellschaftlichen, politischen und religiösen Begrenzungen und Dogmen, sie wollten frei sein, anders sein, ehrlich sein, sich nichts vorschreiben lassen und sie wollten keine angepassten Massenmenschen sein, die es anderen recht machen, dabei aber eigene Werte und Ideale verrieten. Sie hatten einen anderen „Mind“, ein anderes Bewusstsein und spürten, dass es mehr gab, als diese materielle Welt und dieses eine Leben. Sie glaubten an die Selbstverantwortung jedes einzelnen Menschen und daran, dass Ungutes, das man anderen und dieser Welt zufügt, in Form von Karma auf den Verursacher zurückkommt. Sie glaubten an die Seele und den Geist, der in jedem Menschen vorhanden ist, und verbanden sich in Meditationen mit diesen Ebenen, um besser zu verstehen, wer sie sind, was diese Welt ist, was der Sinn dieses Lebens ist und welcher Weg im Einklang mit den übergeordneten Lebensprinzipien steht. Sie ahnten, dass alles, was uns im Leben passiert, kein Zufall ist, sondern einen höheren bzw. tieferen Sinn und eine Ursache hat und dass wir selbst es in der Hand haben, das Steuer unseres Lebensschicksals herumzureißen, indem wir uns und unser Leben verändern.

Rüdiger Dahlke ist ein „Kind“ dieses Zeitgeistes. Er studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Humanmedizin und danach Psychotherapie. Die notwendigen Praktika absolvierte er in München und Augsburg. Rüdiger Dahlke: „Ich habe dabei erlebt, wie ich mit meinen Ansichten und meiner Art bei anderen Medizinern anstieß. Ich habe beispielsweise mit Patienten während Behandlungen gesprochen und dadurch habe ich länger gebraucht, aber genau das passte den meisten Ärzten nicht. Ich habe auch bei verschiedenen Behandlungsmethoden protestiert, z.B. dass Sterbende noch kurz vor ihrem Tod mit Essen gefüttert wurden. Auch das passte den Ärzten nicht. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich dachte: ‚Das ist nichts für mich‘, und ich wollte meinen Beruf ändern und Journalist werden. Ich gab mir jedoch erst einmal eine Bedenkzeit und ging ein Jahr lang auf Weltreise. Dabei habe ich mir nicht nur die Welt angeschaut, sondern auch, welche Medizin es in den jeweiligen Ländern gibt. So habe ich meinen medizinischen Horizont erweitert und mich entschieden, weiter als Mediziner und Psychotherapeut tätig zu bleiben.“

Dass damals mit dem Berufswunsch als Journalist schon der spätere Autor von über 60 Büchern ans Licht drängte, ahnte Rüdiger Dahlke nicht. Seine Motivation als Autor war nicht die Unterhaltung, sondern die Information, Aufklärung, Beratung und Anleitung für Veränderungen, Verbesserungen, Wandlung und Transformation in Sachen Gesundheit für Körper, Seele und Geist.

Dr. Rüdiger Dahlke ist Vater einer umfassenden Psychosomatik, die bis in spirituelle Dimensionen reicht, und sein Nachschlagewerk „Krankheit als Symbol“ ist ein Standardwerk ganzheitlicher Psychosomatik für viele Familien geworden. Eines seiner früheren Bücher zu dieser Thematik lautete: „Krankheit als Weg“. Er schrieb es zusammen mit seinem Kollegen, Thorwald Detlefsen, mit dem er 12 Jahre (von 1977 bis 1989) zusammen in München im „Institut für außerordentliche Psychologie“ arbeitete. In diesem Buch zeigen beide Autoren auf, dass alle Krankheitssymptome einen tieferen Sinn für unser Leben haben. Sie übermitteln uns Botschaften aus dem seelischen Bereich und sind ein Anstoß, uns selbst zu finden.

Bei Thorwald Dethlefsen machte Rüdiger Dahlke auch die Ausbildung zum Reinkarnations-Therapeuten. Als Thorwald Dethlefsen sich mit den Jahren immer mehr für Medien statt für Psychotherapie interessierte, trennte sich Rüdiger Dahlke von ihm. Dahlke: „Ich war immer gerne Arzt und Psychotherapeut. Mich haben auch ‚normale‘ Menschen interessiert; Dethlefsen hingegen war vor allem an spirituellen Menschen interessiert. Mich interessieren weder Channelings noch Medien, auch geht mir der Begriff ‚Orden‘ zu weit. Ich wollte Arzt bleiben. Ich möchte verstehen und vermitteln, einordnen und verwandeln und vor allem verstehen, was psychisch hinter der Krankheit steckt.“

Dr. Dahlke hat, wie er sagt, einiges in der Medizin abgekriegt in seinem Kampf für die Psychosomatik. „Irgendwann hat mir einmal ein Kollege an den Kopf geworfen: ‚Sie sind ja gar kein Arzt‘! Darüber war ich ziemlich betroffen, weil ich natürlich überzeugter Arzt war. Er meinte weiter: ‚Sie sind ein Schamane im Arzt-Pelz‘! Das hat mir irgendwie gefallen und ich habe mir gesagt: ‚Ja, genauso ist es: ich bin Schamane und Arzt und der ist nur Arzt‘. Die schamanistische Medizin und Weltsicht, das ist meins, das ist für mich viel ehrlicher und authentischer als all das wissenschaftliche Getue, wo so oft gar kein Wissen dahinter ist.“

Dr. Rüdiger Dahlke bei einer Präsentation seines Buch „Das Geheimnis der Lebensenergie in unserer Nahrung“ (Foto-Quelle: TamanGa)

Zusammen mit seiner ersten Frau Margit, einer Heilpraktikerin, gründete Rüdiger Dahlke 1990 das „Heilkunde-Zentrum Dahlke“ im niederbayerischen Johanniskirchen. Dort kam auch beider Tochter, Naomi, auf die Welt.

Das Heilkunde-Zentrum ist ein Ort der ganzheitlichen Therapie von Körper, Seele und Geist. In der Homepage heißt es dazu:

„Der Mittelpunkt und damit tragende Säule unserer therapeutischen Arbeit ist eine umfassende Psychotherapie zu den verschiedensten Problembereichen des Lebens. Durch unsere langjährige therapeutische Erfahrung wissen wir, dass oft hinter allen Problemen, Symptomen und Krisen unbewusste Seelenanteile darauf warten und drängen können, endlich wahrgenommen und geachtet zu werden. Die Sprache der eigenen Seele verstehen, den seelischen Schatten durchlichten, bildet das Fundament für Gesundheit und Heilung. ….“

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