Faber-Castell: Hochwertige Schreib- und Stifte-Kultur

von Helene Walterskirchen

Stilvolles Schreiben: handgeschöpftes Büttenpapier, Faber-Castell-Kugelschreiber und Füller in Geschenkpackung, darüber die Leitgestalt des Unternehmens bis 2016: Anton Graf Faber-Castell

 

Seit ich denken kann, waren Bleistifte und Farbstifte von Faber-Castell immer etwas Besonderes. So erinnere ich mich daran, dass ich als Kind einmal zu Weihnachten eine große Schachtel mit Farbstiften von Faber-Castell geschenkt bekam, nicht nur mit 6 Farben, sondern mit 24 und das war zu jener Zeit etwas Besonderes. Ich packte die Schachtel stolz in meinen Schulranzen und zeigte sie nach den Ferien meinen Mitschülerinnen. Gemeinsam bewunderten wir die bunte Farbenvielfalt mit dem Markenemblem Faber-Castell. Damals war Faber-Castell schon ein Mercedes unter den Bleistiften und Farbstiften, den sich nur wenige leisten konnten. Deshalb wurde auch jeder Farbstift so lange benutzt und gespitzt, bis am Ende selbst nicht mehr die Stifteverlängerung half.

Stifte von Faber-Castell, ganz gleich ob Bleistifte, Farbstifte, Füller oder Kugelschreiber, waren für mich immer ein Bestandteil meiner eigenen hochwertigen Lebenskultur. Ich hatte ein Faible für ästhetisch schöne und außergewöhnliche Stifte und Designs – ganz gleich ob bei Geschirr, Schreibpapier oder Schreibstiften. Natürlich gab es auch wesentlich billigere Firmen, die ebenfalls Bleistifte, Farbstifte, Kugelschreiber usw. anboten, aber diese seelenlosen Massenprodukte entsprachen eher billigen Werbeartikeln, die bei nächster Gelegenheit auseinanderfielen oder im Abfalleimer landeten, als hochwertigen Schreibkulturartikeln, die solide produziert sind und viele Jahre lang verwendet werden können.

Die wunderschönen, edlen Kugelschreiber von Faber-Castell sind wie Wertgegenstände, die, lässt man sie irgendwo liegen, zumeist nicht mehr auffindbar sind. Irgendjemand hat sie schlichtweg mitgehen lassen. Dies ist etwas, was einem bei einem Billigkugelschreiber nicht so leicht passieren kann. Deshalb habe ich meinen Faber-Castell-Kugelschreiber, zuletzt der Marke Ambition Birnbaum (€ 95,–), jetzt auch der Marke Ondora Räuchereiche (€ 120,–), immer in meiner Handtasche. Wenn ich etwas schreiben oder unterschreiben möchte, hole ich den Stift heraus und lege ihn nach Verwendung auch sofort wieder in meine Tasche zurück. So habe ich über Jahre gewährleistet, dass mir kein Stift von Faber-Castell verloren geht, was früher schon gelegentlich vorkam.

Faber-Castell, das sind für mich auf der einen Seite, hochwertige und edle Schreib- und Mal-Utensilien, auf der anderen Seite ist es eine Leitgestalt, die diesen Utensilien einen Stempel aufgedrückt, ja mehr noch, eine Seele eingehaucht hat: Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, der fast 40 Jahre lang in der achten Generation Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Der 1941 Geborene starb 2016 im Alter von 74 Jahren.

Ich durfte diesen charismatischen und aristokratischen Menschen im Jahr 1999 persönlich bei der Arbeit an meinem Buch „Aristokraten – Leben zwischen Tradition und Moderne“, das im Jahr 2000 im Ueberreuter Verlag erschienen ist, kennenlernen. Das Portrait, das ich über ihn erstellte, hat in dem zeitgeschichtlichen Werk einen würdigen Platz und das Foto von ihm zeigt ihn als Mitten im Leben stehenden Unternehmer – edel gekleidet im dunkelblauen Blazer, umrahmt von Antiquitäten – eben ganz er selbst: kultiviert, weltoffen, schick, selbstbewusst, umgeben von einem Hauch Lebemann und engagiertem Unternehmer, der sein Bleistiftimperium ökologisch und sozial orientiert in die neue Zeit des 2. Jahrtausends führte.

Zwei Stunden lang im Gespräch mit einem interessanten Mann, dessen anfängliche Skepsis und Desinteresse sich im Gespräch in Offenheit und Interesse wandelte, so dass er nicht zögerte, zu so manchen Themen im Bereich Adel, Wirtschaft, Unternehmertum und Privatleben, das zu sagen, was ihm auf dem Herzen lag. Und wenn ich fragte: „Kann ich das so im Buch schreiben?“, antwortete er: „Ja, das können Sie! Dazu stehe ich.“ Dass man seinen Worten trauen kann, merkte ich am Ende an der Endkorrektur, denn nichts von alledem, was er gesagt hatte, wurde gestrichen.

„Anton Graf Faber-Castell bewies von Anfang an eine glückliche Hand. Unter seiner Führung wurde das Sortiment gestrafft, unrentable Produkte aufgegeben und eine Kosmetikstiftproduktion aufgenommen. Er konzentrierte sich auf Innovation und Spezialisierung. Sein Leitgedanke war der seines Vorfahren Lothar von Faber, nämlich, ‚die besten Stifte der Welt zu machen‘.“ (Auszug aus dem Buch „Aristokraten – Leben zwischen Tradition und Moderne“).

Der Tod von Graf Faber-Castell vor zwei Jahren hat zwar eine große Lücke in das Unternehmen gerissen, jedoch tun die Nachfolger alles, um diese Lücke zu schließen und das traditionsreiche Bleistiftimperium in eine neue Aera zu führen. Die Zeit geht weiter und wird irgendwann wieder eine neue Leitgestalt aus dem Hause Graf Faber-Castell hervorbringen.

Faber-Castell hat im Laufe seiner ca. 250-jährigen Unternehmensgeschichte schon so manche Stürme erlebt und erfolgreich bewältigt, denn es gab immer kluge und engagierte Köpfe im Unternehmen, denen es ein Herzensanliegen war, dafür zu sorgen, dass der Mercedes in der Stifteherstellung seine „Mercedes-Position“ weiter bewahren kann – für die jetzige und zukünftige Generationen. So, wie meine Eltern schon Stifte von Faber-Castell schätzten, schätze ich sie seit ich denken kann und schätzt sie auch meine Tochter, die besonders gerne mit den Füllern von Faber-Castell in ihren handgebundenen Büttenpapier-Tagebüchern schreibt.

Faber-Castell ist sowohl Bestseller als auch Longseller im Bereich Bleistifte, Farbstifte, Füller, Kugelschreiber u.a. Faber-Castell spricht Menschen an, die einen hochwertigen Lifestyle pflegen. Aber auch für diejenigen, denen dies nicht möglich ist, können Produkte von Faber-Castell ein Traum sein, den sie sich irgendwann erfüllen wollen. Es ist einfach ein anderes Gefühl, einen Kugelschreiber von Faber-Castell in Händen zu halten als einen 99-Cent-Plastikugelschreiber – und dieses Gefühl hat mit Wert und Selbstwert zu tun. Wir können durch unsere Produktauswahl entscheiden, auf welcher Ebene wir uns bewegen, auf der hochwertigen oder minderwertigen.

 

 

 

 

 

Faber-Castell
Nürnberger Straße 2
90546 Stein

www.faber-castell.de
Telefon: +49 (0) 911 9965-0