Harro Graf von Luxburg: Anwalt für eine humane Scheidung

von Helene Walterskirchen
Harro Graf von Luxburg: Anwalt für eine humane Scheidung

 

 

 

Harro Graf von Luxburg hat als Anwalt über 40 Jahre Scheidungskultur miterlebt und sich schon früh für das Modell der humanen und fairen Scheidung entschieden. Paare, die sich einvernehmlich scheiden lassen wollen, sind bei ihm an der richtigen Adresse und werden von ihm kompetent durch den Prozess der Scheidung geführt, so dass sie danach noch auf einer friedlichen Basis miteinander umgehen können, insbesondere im Interesse der gemeinsamen Kinder.

 

Harro Graf von Luxburg, Jahrgang 1941, ist ein Stück lebendige Scheidungskulturgeschichte. Er ist mit Leib und Seele Anwalt für Familienrecht, oft kurz auch als „Scheidungsanwalt“ bezeichnet. Seit 1981 hat er seine Kanzlei in der Goethestraße in München, wo er souverän Mandanten durch ihre Scheidung navigiert. Gekonnt kombiniert er dabei aristokratisches Auftreten mit Sachwissen und Kompetenz sowie einer friedvollen Gesinnung. Das war damals so, als ich Ende der 1980er Jahre Mitarbeiterin in seiner Kanzlei wurde und für mehrere Jahre blieb, und das ist heute so, als wir uns zum gemeinsamen Gespräch über Scheidungskultur in seiner Kanzlei trafen.

Wer kann besser über die Scheidungskultur der zurückliegenden 50 Jahre berichten als ein Anwalt wie Graf Luxburg, der sie hautnah miterlebt hat. Für ihn ist die Scheidungskultur Spiegelbild der Gesellschaftskultur. Heute, im Zeichen der Gleichberechtigung, sind Ehen partnerschaftlich ausgerichtet, was auch seine Auswirkungen auf Scheidungen hat. Vor der großen Scheidungsrechtsreform 1977, waren Ehen patriarchalisch ausgerichtet: die Frauen waren zur Haushaltsführung verpflichtet und die Männer zur Erwerbstätigkeit. In den 1950er und 60er Jahren war von Gleichberechtigung oder partnerschaftlicher Ehe keine Spur. Damals durften Frauen nur mit Genehmigung ihres Mannes arbeiten. Viele Männer blockierten die Erwerbstätigkeit ihrer Frauen, weil dies damals noch verpönt war und das Ansehen der Männer minderte. Nach der Reform 1977 wurden Mann und Frau gleichermaßen zur Haushaltsführung und zur Erwerbstätigkeit berechtigt.

Prägend war für Harro Graf von Luxburg die Scheidung seiner Eltern in den 1950er Jahren, als er im Teenageralter war. Der Vater, der eine neue Partnerin hatte, wollte sich scheiden lassen, die Mutter wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen. Er erinnert sich noch mit gemischten Gefühlen an die strittigen Jahre, in denen es viel böses Blut zu Hause gab. „Dieser unversöhnliche Zustand hat mich als jungen Menschen sehr belastet. Alle Kinder wünschen sich nur eins: dass die Eltern in einem Zustand der Versöhnung leben, auch wenn sie sich scheiden lassen.“ Als sich seine Eltern 25 Jahre später versöhnten, war dies für ihn eine Erleichterung. Die eigenen negativen Erfahrungen durch die Scheidung seiner Eltern haben sicherlich einen großen Anteil daran gehabt, dass sich Graf Luxburg als junger Anwalt für das Thema der humanen und fairen Scheidung entschieden hat.

Für ihn ist klar: Scheidung muss weder Drama, noch Schlammschlacht, noch Rosenkrieg sein. Scheidung sollte die ehemaligen Lebenspartner nicht traumatisieren, sondern ein fairer Schlussstrich sein, den man unter eine gemeinsame Ehezeit zieht, um danach wieder neu anzufangen. Beide sollten die Veränderungen akzeptieren und das Beste daraus machen, insbesondere im Interesse der gemeinsamen Kinder. Dass eine Ehe zu Ende geht – er vermeidet den Begriff „scheitert“ –, liegt immer an beiden Ehepartnern und nie an einem.

 

Harro Graf von Luxburg hat im Laufe seiner Anwaltstätigkeit und als Vorstand des von ihm gegründeten Vereins „Humane Trennung und Scheidung“ viele Vorträge gehalten, in denen er über sein Modell der humanen und fairen Scheidung referiert hat. Hier: anlässlich der Jubiläumsfeier des Volkskunstprojektes „Friedens-Banderole“ im Hotel Schlossgut Ambach am Starnberger See im Jahre 2011.

 

Harro Graf von Luxburg sieht es als kulturellen Fortschrift, dass mit dem neuen Scheidungsrecht 1977 das bis dahin geltende Schuldprinzip ein Ende nahm und durch das Zerrüttungsprinzip abgelöst wurde, das bis heute aktuell ist und zur Frage des Familienrichters an die ehemaligen Ehepartner führt: „Halten Sie Ihre Ehe für zerrüttet?“ Gesetzlich ist festgelegt, dass die Ehepartner, wenn sie ein Jahr lang getrennt gelebt haben und sich der Richter von der Zerrüttung der Ehe überzeugt hat, die Ehe geschieden werden muss – auch gegen den Willen des anderen Ehegatten. Graf Luxburg: „Nach dem alten Scheidungsrecht konnte gegen den Willen des „ehetreuen“ Partners eine Scheidung nicht durchgesetzt werden. Heute genügt ein Trennungsjahr und die Ehe wird geschieden. Nach einer dreijährigen Trennungszeit spielt nicht einmal mehr das Prinzip der Zerrüttung eine Rolle.“

Auf meine Frage, was sich seiner Ansicht nach im Sinne der Mandanten an der Scheidungskultur geändert hat, antwortet Graf Luxburg: „Früher konnte der Ehepartner, der nicht geschieden werden wollte, die Scheidung blockieren. Insbesondere von Seiten der Hausfrauen gab es dabei ganz viel Angst, dass sie dann auf Unterhalt angewiesen sind und zudem gesellschaftlich als minderwertig gelten. Aber seitdem immer mehr Frauen berufstätig sind und ihr eigenes Geld verdienen, haben sich die Verhältnisse grundlegend geändert. Auch werden Geschiedene schon lange nicht mehr gesellschaftlich geächtet. Vielmehr sind Scheidungen heute etwas Normales. Immerhin wird jede zweite bis dritte Ehe geschieden.“

Und was hat sich im Sinne der Anwälte geändert? Graf Luxburg: „Die Anwälte haben sich über die Jahre von der aggressiv gehässigen Vorgehensweise, wie sie beim alten Recht weit verbreitet war, entfernt und sind insgesamt moderater geworden. Das liegt auch daran, dass 1998 der Fachanwalt für Familienrecht eingeführt worden ist und die Anwälte sich mehr auf die fachliche Seite der Scheidung und der wirtschaftlichen Fragen konzentrieren. Die Fachanwälte verfassen heute Schriftsätze, die sehr fundiert sind. Wenn ich an meine erste Zeit als Anwalt denke und die Schriftsätze mit den heutigen vergleiche, dann ist das ein himmelweiter Unterschied.“

Und last not least, was hat sich im Sinner Richter geändert? Graf Luxburg: „Scheidungen fanden vor der Scheidungsreform beim Landgericht statt. Mit dem neuen Gesetz kam es zur Einführung von Familiengerichten und die Richter wurden Familienrichter. Dies führte dazu, dass die Richter sich selbst hinterfragt haben, was das für ihre Arbeit bedeutet. Beim Familiengericht herrscht ein anderer Stil als bei anderen Gerichten, z.B. beim Strafgericht. Familienrichter bemühen sich viel mehr um einen Vergleich.“

Die Scheidungskultur hat sich nach Ansicht von Graf Luxburg seit den 1970er Jahren hin zum Positiven hin entwickelt. Dabei spielen die Anwälte, aber auch die Familienrichter eine entscheidende Rolle. „Dazu gehört, dass Anwälte untereinander kollegial miteinander umgehen und dass die Richter nicht autoritär sind. Den jüngeren Richtern gelingt es immer besser, dass sie einen angemessenen Umgangston in den Verhandlungen pflegen.“

Wie wohltuend für alle Beteiligten eine humane, faire und friedliche Scheidung ist, hat Graf Luxburg im Laufe seiner über 40-jährigen Anwaltstätigkeit immer wieder erlebt. Er ist fest davon überzeugt, dass der Trend für die Scheidungskultur in den nächsten 50 Jahren weiter in Richtung einvernehmliche Scheidungen geht. „Dass Ehen möglichst lange halten, ist zwar wünschenswert – gerade im Interesse von gemeinsamen Kindern -, jedoch ist es auch völlig normal, wenn eine Ehe von zwei gleichberechtigten Partnern, die ihren eigenen Beruf ausüben und die damit weitgehend selbstständig sind, irgendwann geschieden wird. Die meisten meiner Mandanten sind über 50 Jahre alt und eine Scheidung eröffnet ihnen den Weg für einen neuen Lebensabschnitt. Die einvernehmliche Scheidung ist dabei der beste Wegbereiter.“

Ans Aufhören denkt Graf Luxburg trotz seines nicht mehr jugendlichen Alters nicht. Er übt seinen Beruf mit Freude und Hingabe aus und will weiter aktiv daran mitwirken, dass sich die Scheidungskultur in dem Sinne entwickelt, dass sie immer friedlicher und konstruktiver für alle Parteien verläuft. Er will weiterhin seine Mandanten durch die Scheidungskrise führen und ihnen zu fairen, vernünftigen und intelligenten Lösungen verhelfen. Daneben will er als Vorsitzender des Vereins „Humane Trennung und Scheidung“ weiter durch Vorträge und Veröffentlichungen für diese Philosophie werben.

 


„Die Scheidungskultur ist Teil der Rechtskultur und die Rechtskultur entwickelt sich dadurch, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern und sich die Gesetzgebung und das Recht dem anpassen“. Harro Graf von Luxburg (im Bild mit der Autorin) hat ein Faible für Antiquitäten und Kunst, die seine Kanzlei zieren.

 

 

 

 

 

Kanzlei für Familienrecht
Rechtsanwalt Harro Graf von Luxburg
Goethestr. 68
80048 München

in Partnerschaft mit:
Alexander Graf von Luxburg LL.M.
RAin Friederike Lehle

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