Raus aus der Demenz-Falle! von Gerald Hüther

von Helene Walterskirchen
Raus aus der Demenz-Falle!
von Gerald Hüther

 


Dieses Buch des Neurobiologen Gerald Hüther sollte Pflichtlektüre für jeden erwachsenen Menschen sein – egal ob er/sie 30, 50 oder 70 Jahre alt ist. Und es sollte ebenso Pflichtlektüre für jeden Mediziner, der noch nach der Schiene „Reparatur-Medizin“ seine Patienten behandelt, sein.

Bereits im 1. Kapitel des Buch „Paradigmenwechsel in der Medizin“ gehen jedem Leser die Augen auf, wenn er folgendes liest: „ …, dass jeder Organismus grundsätzlich in der Lage ist, von außen stammende oder in seiner inneren Organisation entstandene Störungen durch die Mobilisierung eigener Abwehrkräfte zu unterbinden, zu kompensieren oder auszugleichen.“ Welch ein Widerspruch zu jeder medizinischen Behandlung, die sich anmaßt, unseren Organismus „gesund“ machen zu wollen!

Wo andere Schriftsteller langsam herangehen und sich in die Thematik hineinarbeiten, geht Gerald Hüther mit Riesenschritten gleich zu Anfang auf S. 14 daran, die „Demenz-Lüge“ zu demaskieren, indem er die „Nonnenstudie“ präsentiert, auf die er im gesamten Buch immer wieder eingeht. Er schreibt dazu: „Denn laut dieser Nonnenstudie gibt es offenbar Personen, deren Gehirn genauso degeneriert und mit Ablagerungen übersät ist wie das von Patienten mit einer schweren Alzheimer-Demenz, bei denen aber – und jetzt halten Sie sich bitte fest – bis ins hohe Alter, bis zu ihrem Tod kein Gedächtnisverlust oder andere Symptome einer Demenz aufgetreten sind.“

Und der Leser/die Leserin darf sich in dem kurzen Buch von 117 Seiten weiter festhalten, denn der Autor bringt in wenigen, aber sehr treffenden und glasklaren Erläuterungen die Tatsachen und Ursachen für Demenz auf den Tisch. In Mark und Bein geht auch ein Satz auf S. 19: „… Genau das möchte ich mit diesem Buch versuchen, indem für die Herausbildung dementieller Krankheiten nicht länger irgendwelche Ablagerungen im Gehirn verantwortlich gemacht werden, sondern sehr ungünstige, im Gehirn sehr vieler Menschen abgelagerte Vorstellungen.“

Wer jemals Angst vor Demenz hatte, wird durch dieses Buch diese Angst verlieren. Er wird vielmehr erkennen, welch Wunderwerk das Gehirn ist. Gerald Hüther schreibt auf S. 36: „Zeitlebens, sogar bis ins hohe Lebensalter, ist das menschliche Gehirn in der Lage, seine einmal herausgeformten Nervenzellverknüpfungen und Verschaltungsmuster an veränderte Nutzungsbedingungen anzupassen, neue Nervenzellkontakte herzustellen, neue Nervenfortsätze auszuwachsen und sogar neue Nervenzellen zu bilden.“

Das Wunderwort heißt „Neuroplastizität“ und was darunter zu verstehen ist, erfährt der Leser/die Leserin auf S. 40: „Neuroplastische Umbauprozesse kommen auch dann nicht mehr so recht in Gang, wenn nicht mehr allzu viel Neues passiert, wenn es immer weniger gibt, für das es sich anzustrengen lohnt, wenn nur noch selten neue Herausforderungen bewältigt werden und deshalb die Freude am eigenen Entdecken und Gestalten nachlässt.“ Im weiteren macht Gerald Hüther bewusst, dass es sich auch sehr negativ auf die Regenerationsfähigkeit des Gehirns auswirkt, wenn Personen Probleme haben, die sie nicht bewältigen können, wenn sie unter Druck sind und Angst haben, also eine starke und womöglich chronische Stresssituation vorhanden ist. Unter solchen Bedingungen klappt die Neubildung von Nervenzellen sowie von Nervenzellfortsätzen und –kontakten nicht mehr. Er beendet diesen Absatz mit dem kurzen und absolut treffenden Satz: „Es muss einem also richtig gut gehen, sonst gelingt es nicht.“

Die Erfolgsformel erweitert der Autor von Neuroplastizität hin zu Kohärenz und einem Kohärenzgefühl. Er schreibt dazu auf S. 47: „Es ist das persönliche Empfinden, das eine Person hat, wenn all das, was sie tagtäglich erlebt, wovon sie erfährt und was sie wahrnimmt, gut zu ihren eigenen Erwartungen passt. Noch präziser: Dieser Mensch fühlt sich als jemand, der alles, was geschieht, auf eine Weise bearbeiten und bewältigen kann, dass es wieder passt. Denn kohärent ist etwas immer dann, wenn es keine Widersprüche, keine Störungen, keine Trennungen und Abspaltungen gibt.“

Es geht jedoch, so erfährt der Leser/die Leserin, nicht darum, dass alles immer Freude, Frieden, Eierkuchen sein muss, sondern dass wir auch Herausforderungen und Unfrieden brauchen, um die jeweiligen Situationen, die uns aus dem Gleichgewicht gebracht haben, wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ein ständiges, aktives Life-Management, ein permanentes Jonglieren zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Disharmonie und Harmonie, zwischen Unfrieden und Frieden. Bei allem jedoch sollte ein Grundzustand in der Weise herrschen, dass der Mensch zufrieden ist und sich freut, auch über Veränderungen und Weiterentwicklungen, die es ihm nicht leicht machen, die er jedoch mit Leichtigkeit managt und gestaltet.

Wenn uns hingegen alles nur nervt, wenn wir uns gegen Veränderungen sträuben, wenn wir in einer belastenden Familiensituation leben, wenn wir Angst vor dem Alter haben, wenn wir uns isolieren, wenn es keine Freude mehr in unserem Leben gibt, dann wirkt sich das negativ auf unsere neuroplastischen Regenerationsprozesse aus und damit öffnen wir der Demenz Tür und Tor.

Alles in allem: Ein klasse Buch, das jede noch so kleine Angst vor dem Älterwerden in nichts auflöst und dazu auffordert, sein Leben in die Hand zu nehmen und so zu gestalten, dass man fließt und, so oft wie möglich, ein Gefühl von Freude dabei zu empfinden!

Das Buch können Sie hier bei Osiander versandkostenfrei bestellen.

Arkana Verlag

Verlagsgruppe Random House
2. Auflage 2017
ISBN 978-3-442-34209-9
Preis: € 18,–